Kuchen am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

Es ist früh am Morgen. Als ich den Rollladen in der Küche nach oben ziehe, fallen die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne in das Zimmer und blenden mich. Ich kneife die Augen zusammen. Kaffeemaschine. Ich taste nach der Kaffeemaschine, fülle Wasser ein und suche im Schrank nach den Filtern, während sich meine Augen langsam an das Licht gewöhnen. Dann öffne ich die Dose mit dem Kaffeepulver. Leer. Sie ist Leer. Gestern Abend war sie noch voll.
Hinter mir taumelt der Kater durch das Esszimmer und stößt dabei einen Stapel Zeitschriften um. Er gähnt und trottet weiter bis zu mir in die Küche.
„Du, sag mal“, frage ich ihn, „hast du den Kaffe leergemacht?“
„Ich?“, er reibt sich die Augen, „Warum schiebst du eigentlich immer alle Schuld auf mich? Hast du mal daran gedacht, dass auch dein werter Herr Papa den Kaffee leergemacht haben könnte?“
Ich nehme mir ein Stück Kuchen und setze mich resigniert an den Küchentisch. Den Kopf zwischen den Händen starre auf die Tageszeitung am anderen Ende des Tisches.
„Was ziehst du denn bloß für ein Gesicht?“, fragt mich der Kater, „Ist irgendwas passiert?“
„Ach, nichts.“, sage ich.
„Sicher nicht?“
„Ich will nicht drüber reden.“
„Kopf hoch, morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Dann gibt’s auch wieder Kaffe. Bis dahin kommst du schon irgendwie über die Runden. Warte, ich hol dir die Zeitung.“
„Danke.“, sage ich zu ihm, während er mir die Zeitung vom anderen Ende des Tisches bringt. Als er sie mir neben den Teller legt, fällt sie auf den Boden. Ich seufze.
„Du darfst das Leben nicht so tragisch sehen. Du stehst immerhin am Anfang eines neuen Tages. Wer weiß, was da noch alles passieren kann.“
„Du hast ja recht. Man weiß nie, was einem das Leben bringt.“, sage ich, während ich mich nach der Zeitung bücke.
„Oder was es einem nimmt.“, ergänzt der Kater.
Als ich wieder auf dem Stuhl sitze, ist er vom Tisch verschwunden. Ich schlage die Zeitung auf und greife nach dem Stück Kuchen, aber meine Hand langt ins Leere.