Ding Dong. Es klingelt an der Tür. Widerwillig lege ich das Buch zur Seite und stehe auf. Ding Dong. Schon wieder. Es ist elf Uhr abends. Wer hat bloß die Nerven, mich um diese Zeit zu stören?
Ich drehe den Schlüssel im Schloss, drücke die Klinke herunter und öffne die Tür einen Spalt breit. Kalte Winterluft schlägt mir entgegen. Es hat geschneit. Auf den Stufen vor meiner Tür sitzt ein Kater. Sonst ist weit und breit niemand zu sehen. Ich zwinge mich, meinen Kopf aus der Tür hinaus in die Kälte zu stecken, blicke nach rechts, dann nach links. Ich seufze, ziehe meinen Kopf zurück ins Warme und schließe die Tür.
Ein wenig verärgert setze ich mich wieder in den gemütlichen Sessel und taste gedankenverloren nach der Tasse Tee, die irgendwo auf meinem Beistelltischchen stehen muss. Enttäuscht ziehe ich die Hand zurück. Die Tasse ist schon kalt. Dabei war ich, vollkommen versunken in meine Lektüre, noch nicht einmal dazu gekommen, auch nur einen einzigen Schluck zu trinken.
Ding Dong. Diesmal bleibe ich sitzen. Ding Dong. Ding Dong. Es reicht doch wohl, wenn man sich einmal seinen Spaß mit mir erlaubt. Ding Dong.
Ich reiße die Tür auf. Der Kater sitzt immer noch auf den Stufen. „Hallo.“, sagt er. Ich blinzle ein wenig verwirrt und verloren.
„Hallo.“, sage ich dann.
„Darf ich reinkommen? Hier draußen ist es furchtbar kalt.“
Ich nicke. Der Kater huscht an mir vorbei in das Haus. Als ich wieder in mein Wohnzimmer komme, hat er es sich schon auf dem Teppich vor dem Kamin gemütlich gemacht.
„Schön hast dus hier.“, sagt er. Ich starre ihn an. „Eher einer von der schweigsamen Sorte, wie?“, er legt seinen Kopf schief und schaut mich prüfend an.
Eigentlich will ich ihm widersprechen.
„Ist das Pfefferminztee da in der Tasse?“, fragt der Kater weiter.
„Mach dir keine Hoffnungen.“, sage ich schließlich, als ich meine Worte wieder finde, „Der ist schon lange kalt.“
„Mag ich sowieso nicht.“, sagt der Kater.
Ich drehe mich langsam um und gehe in die Küche, um heißes Wasser für eine neue Tasse Tee aufsetzen. Oder gleich für eine ganze Kanne. Als ich zurückkomme, um meine Tasse zu holen, ist sie bis auf einen kleinen Rest leergetrunken. Der Kater liegt zusammengerollt und mit geschlossenen Augen vor dem Feuer und schnurrt genüsslich.
Mittwoch, 6. Januar 2010
Pfefferminztee
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