Der Kater und ich stehen im Supermarkt an der Kasse. Die freundliche Kassiererin zieht unsere Tiefkühlpizzen, das Eis, die Pommes, die Cola, das Baguette und den Lachs über den Scanner.
„Das macht dann bitte 14 Euro und 29 Cent.“, sagt sie.
„Kann ich mit Karte zahlen?“, frage ich.
„Selbstverständlich.“, sagt sie.
Ich hole mein Portmonee aus der Innentasche meines Mantels und klappe es auf. Eigentlich steckt die Karte gleich ganz oben, direkt unter dem Führerschein, der ja mittlerweile das gleiche Format besitz, und zukünftig wohl dem Personalausweis, dem ja ein ähnlich herabwürdigendes Schicksal droht. Führerschein und Ausweis hin oder her, an zweiter Stelle kommt die Karte der örtlichen Stadtbibliothek zum Vorschein. Nichts mit Electronic Cash. Ich suche weiter. Darunter ist die Karte einer anderen Stadtbibliothek, die ich hin und wieder besuche, darunter die VIP-Karte von Subway, die Karte meines DVD-Verleihs, die BahnCard, eine MasterCard, eines dieser schönen Kartenbeispiele, die immer in den Fächern stecken, wenn man das Portmonee neu Kauft, darunter die Karte meiner Krankenversicherung, mein alter Schülerausweiß, auch im Scheckkartenformat, die Clubkarte eines Verein, den ich lieber vergessen möchte, eine Kundenkarte, und noch eine andere, eine mit Bonuspunkten, weiß Gott, warum ich da mitgemacht habe, zwei private und eine Gewerbliche Visitenkarte, ein Taschenkalender im gleichen Format und eine Lupe, die ich nie, aber auch wirklich noch nie gebraucht habe.
„Sag mal“, frage ich den Kater, „hast du mein Bankkarte gesehen?“
Der Kater streckt mir eine kleine blaue Karte entgegen, „Meinst du die hier?“, fragt er mit unschuldiger Miene, „Ich hab gedacht, du würdest sie bei all den anderen Karten gar nicht vermissen.“
„Was hast du damit gemacht?“, frage ich. Ein ungutes Gefühl üefällt mich.
„Erinnerst du dich an den Sonntag Morgen, den du komplett verschlafen hast? Den vor zwei Wochen?“, frag der Kater.
„Es geht.“
„Während du geschlafen hast, war mir langweilig.“
„Das heißt?“
„Na ja, da hab ich eben ein wenig ferngesehen.“
„Und?“
„Teleshopping.“
„Du hast was?!“, der ganze Kassenbereich ist allarmiert.
„Ich habe mir ein goldenes Futternäpfchen gekauft.“
„Du hast was?!“, diesmal ist der ganze Supermarkt allarmiert, mindestens bis zur Fleischtheke am anderen Ende.
„Reg dich nicht so auf, er war gar nicht aus Gold. Alles nur Betrug.“
„Ach wirklich?“, sage ich. Vielleicht lockert ein wenig Sarkasmus die Stimmung auf.
„Der Napf war bloß aus Messing.“, der Kater macht ein trauriges Gesicht.
„Und wie viel hast du dafür bezahlt?“
„Oh, nur 125 Euro und 95 Cent. Ein echtes Schnäppchen. Und es waren nur noch sieben Stück auf Lager.“
Ich drehe mich zur Kassiererin und reiche ihr die Karte. Dann wende ich mich langsam, ganz langsam wieder dem Kater zu.
„Du gibst den Napf zurück!“
„Das kann ich nicht.“
„Warum das denn?“
„Ich hab die Rechnung verloren.“
„Du hast was?!“, diesmal ist auch der Parkplatz und das Lager allarmiert.
„Entschuldigen Sie“, sagt die Kassiererin in einem freundlich Tonfall, „Ihre Karte wird nicht angenommen.“
„Meine Karte wird was?!“
„Nicht angenomen“, sagt sie. Was für ein bedeutungsschwangerer Teilsatz. Ich reiße ihr das Stück Plastik aus der Hand und stürme aus dem Supermarkt. An der Ausgangstür holt mich der Kater ein.
„Du.“, sagt er.
„Was denn noch?“, frage ich.
„Was wird denn jetzt eigentlich aus dem Lachs?“
Freitag, 19. Februar 2010
Kartensalat
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