Ich komme vollkommen verschlafen aus dem Bad. Es ist ein Freitag Morgen. Sechs Uhr in der Früh. Im Esszimmer setze ich mich an den Tisch und gieße Milch zu den Haferflocken in die Schüssel mit der lustigen Nase. Dann nehme ich den ersten Löffel.
„Du.“, sagt der Kater, während er am Saum meines Bademantels zieht.
„Mhm.“, ich blätter in der Zeitung, die vor mir auf dem Tisch liegt und tauche den Löffel wieder in die Schüssel.
„Du!“, sagt der Kater. Diesmal ein wenig lauter und energischer als davor.
„Hmm?“, mache ich, während ich den Löffel wieder in Richtung Mund führe.
„Duhu!“, der Kater kratzt mich am Bein, Milch und Haferflocken von meinem Löffel landen auf dem Bademantel.
„Lass das.“, sage ich, „Das kannst du doch um die Uhrzeit nicht mit mir machen. Ist ja entwürdigend.“
„Pah!“, ruft der Kater, „Immer beruft ihr euch auf eure Würde. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wie das schon klingt. Immer das gleiche Todschlagsargument.“, der Kater macht ein beleidigtes Gesicht.
„Na, wenn es doch so ist.“
„Was ist so?“, fragt der Kater, „Dass du den Begriff der Menschenwürde beliebig so zu deinen Gunsten drehen und wenden kannst, bis er dir passt und dass er, allein schon durch seinen erhabenen Klang, alle anderen mundtot macht.“
„Na ja.“, dass ist nicht unbedingt der gekonnteste Konter. Aber es ist sechs Uhr morgens. Und ich habe Haferflocken im Schoß. Außerdem hab ich gleich eine Doppelstunde Deutsch. Da kann ich mir eine Diskussion über die Begrifflichkeit der Menschenwürde während des Frühstücks wirklich sparen.
„Das Wort ist doch zu einer bloßen Hülle verkommen.“, mosert der Kater weiter, „Was ist schon Würde? Würde ist ein Konjunktiv. Hat Wolfgang Wickler schon gesagt.“
„Klugscheißer. Ich hab den Artikel auch gelesen.“
„Ist doch so. Nur, weil eine Handvoll Leute euch für das Ebenbild Gottes hällt.“
„Etwas über zwei Milliarden.“
„Und dann die, die eure ach so tolle und einzigartige Vernunftnatur in die Höhe halten. Ihr seid ja die Krone der Schöpfung. An uns Kater hat da mal wieder keiner gedacht.“
„Ach, komm schon.“, sage ich und stoße ihn mit dem Fuß fort, „Schau dir an, was du mit meinem Bein gemacht hast.“, blutige Striemen ziehen sich über meine rechte Wade, „Du böser Kater.“, ich versetze ihm einen leichten Tritt in die Seite.
„Hey!“, ruft der, „Lass das! Die Würde der Kater ist unantastbar!“
Sonntag, 28. Februar 2010
Würde
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