Der Kater und ich sitzen in einer Wartehalle der Deutschen Bahn. Wenige Schritte von uns entfernt stehen einige Jugendliche, die sich in gebrochenem Deutsch über Bitches, Sido und Bushido unterhalten. Zwei oder drei von ihnen rauchen Zigaretten, deren trockener Qualm den ganzen Raum einnebelt. Die freundlich monotone Stimme aus den Lautsprechern, die die Verspätung einer Regionalbahn anzukündigen Versucht, geht unter ihren lauten Stimmen unter, kurz bevor sie sich mit ratlosen Gesichtern fragen, was da eben gesagt wurde und wo denn der Zug bleibt, der eigentlich schon hätte da sein sollen.
„Ich bin doch immer wieder erstaunt.“, sagt der Kater.
„Worüber?“, frage ich.
„Über die eigentümlich eigenständige Disqualifikation einiger grobschlächtiger, pöbelnder und unverschämter Menschen, vom Rande unserer Gesellschaft.“, der Kater schüttelt den Kopf, holt eine Tabakpfeife aus der Tasche und beginnt sie zu stopfen.
„Hey!“, ruft er den Jugendlichen zu, „Das ihr euch nicht schämt.“, er steckt sich die Pfeife an und wendet sich wieder mir zu, „Hast du eigentlich schon das neue Album von Dvořák gehört?“, fragt er, während er Rauchringe über das Rauchverbotsschild hinweg pustet.
Ich übergehe seine Frage mit einem dezenten Hinweis auf die wütenden Jugendlichen, die sich im Halbkreis vor uns aufgebaut haben.
Freitag, 5. März 2010
An den Rändern der Gesellschaft
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