Wer hat’s erfunden?

Ich sitze an meinem Computer, lutsche ein schweizer Kräuterbonbon und spiele mit der Maus auf dem Bildschirm. Eigentlich wollte ich schreiben, aber mir ist nichts eingefallen.
„Du.“, sagt der Kater, der sich am anderen Ende des Zimmers auf dem Bett räkelt, „Hast du mal dieses Buch gelesen, in dem der Autor mit einem gesellschaftskritischen, sprechenden Stinktier zusammenzieht und Episode für Episode über ihr absurdes Zusammenleben berichtet?“
„Was? Nein. Warum fragst du?“
„Ach, nur so.“
„Moment, willst du damit etwa etwas andeuten?“
„Ach, nein, nichts.“, der Kater stockt, „Höchstens vielleicht, dass die Idee signifikante Prallelen zu den Geschichten aufweist, die du über mich verbreitest.
„Was?“, frage ich, „Hat er etwa bei mir abgeschrieben?“
Der Kater macht einen skeptischen Gesichtsausdruck.
„Na gut. Vielleicht hat mich irgendwer mit irgendwas auf die Idee gebracht. Aber ich bin stolz darauf,“, fahre ich fort, „dass alle meine Geschichten meinem eigenen wahren Leben entnommen sind. Pointe für Pointe. Ich könnte auch nur schwerlich damit glücklich werden, irgendwas aufzuwärmen. Wo ich doch generell kein Fan von Mikrowellenessen bin. Außerdem würdest du dich dann bloß wieder beschweren, dass ich Schwachsinn über dich schreibe.“
„Das machst du doch so oder so. Du mit deinem schlechten Plagiat.“
„Was soll denn jetzt der Vorwurf schon wieder?“, ich schaue den Kater verständnislos an, „Ich schreib doch nirgendwo ab oder um. Schimpf lieber auf Joseph Smith, der hat gleich kapitelweise aus dem Matthäusevangelium abgeschrieben. Und Brecht, der alte Schlingel, hat sich bei Villon bedient, genau wie Shakespeare bei Marlowe. Und Goethe und Büchner haben’s obendrein getan.“
Der Kater schein von meinen Ausführungen nicht sonderlich beeindruckt.
„Warum hat das mit deinem Magister doch gleich noch mal nicht geklappt?“, frage ich ihn, „Warte, ich komm gleich drauf.“