Verkehrskreisel

„Ich finde, wir sollten vor dem Badezimmer so einen Verkehrskreisel bauen.“, lallt der Kater. Er riecht verdächtig nach Kirschwein.
„Du findest was?“, frage ich leicht desorientiert.
„Vor dem Badezimmer ist doch immer so ein Stau.“, sagt er, „Vielleicht gelingt es uns ja, durch den Neubau eines Kreisels und die Abschaffung der ausgedienten Ampelanlage, die Situation an diesem Verkehrsknotenpunkt ein wenig zu entschärfen.“
„Das hat sich die Stadt auch gedacht.“, sage ich, „Und was hat es ihnen im Endeffekt gebracht? Gar nichts.“
„Das kannst du so nicht sagen.“, sagt der Kater.
„Gut, sie sind ein halbwegs historisches und überaus hässliches Eckhaus losgeworden, das im Weg stand, und haben eine neue Miniatur-Rasenfläche im Stadtzentrum.“
„Oh.“, sagt der Kater, „Wir könnten deine Lieblingsblumen in die Mitte pflanzen!“
„Rosen?“
„Ne, doch nicht. Zu kitschig.“, der Kater setzt sich neben mich aufs Sofa und macht ein angestrengt nachdenkendes Gesicht.
„Tulpen?“, frage ich weiter.
„Ne.“, er macht eine kurze Pause, „Vielleicht lassen wir das Ganze doch lieber.“
„Und der Stau?“, frage ich.“
„Wir könnten ja eine Stauwarnanlage einführen. Und einen Vorsortierbereich bauen, für die, die gar nicht ins Bad, sondern nur durch den Flur zur Küche wollen.“
„Wir könnten auch einfach alle versetzt aufstehen, so dass wir uns vor dem Bad gar nicht erst in die Quere kommen.“
„Bloß nicht!“, der Kater macht eine bedeutungsschwere Pause, „Wovon soll ich denn da als freiberuflicher Straßenplaner noch leben?“